Pressestimmen zu unserem Konzert mit
Händels "The Messiah"
am 26. November 2000 in St. Bonifatius, Gießen

Nachdem sich Frankfurts schreibende Zunft über unser Konzert in Schwanheim beharrlich ausgeschwiegen hat, freue ich mich dennoch, zwei überaus erfreuliche Kritiken der Gießener Presse im Wortlaut wiedergeben zu dürfen:

Gießener Allgemeine Zeitung vom 28. November 2000

Eine große Präzision war an lupenreinen Unisoni zu erkennen
Der Jugendchor Schwanheim/Goldstein aus Frankfurt und die "capella cygnea" boten in der Bonifatiuskirche Händels "Messias" in englischer Sprache

Ein wahrer Musikgenuss wurde Liebhaberinnen und Liebhabern Händelscher Musik am Sonntagnachmittag in der Bonifatiuskirche beschert; das monumentale Oratorium "Der Messias" in englischer Originalfassung. Zu Gast waren der Jugendchor Schwanheim/Goldstein aus Frankfurt und die "capella cygnea", ein Ensemble, das unter Leitung seiner Konzertmeisterin Katrin Ebert auf historischen Instrumenten musiziert. Weitere Ausführende waren Angelika Reinhard (Sopran), Jürgen Banholzer (Altus), Gerhard Brückel (Tenor) und Christoph Kögel (Bass). Die Gesamtleitung hatte der Frankfurter Kirchenmusiker und Sänger Stefan Dörr.
Der Chor aus der Mainmetropole hat bereits etliche Oratorien, aber auch Chormusik anderer Genres wie Oper und Musical aufgeführt. Die leicht pejorative Bezeichnung "Jugendchor" ist irreführend: 15 Jahre nach Gründung des Chores liegt das Durchschnittsalter bei 28 Jahren.
Recht passend besetzt waren die Solopartien. Eine gute Balance zwischen Entfaltung von Klangvolumen und stimmlicher Beweglichkeit bot der Bassist Christoph Kögel. Besonders gelungen waren seine agitierende Arie "Why do the nations ..." und die Ankündigung der letzten Posaune im 3. Teil des Oratoriums, die er entschieden und mit großer musikalischer Gestik vermittelte. Als tendenziell dramatischer Operntenor war Gerhard Brückel nicht ganz die ideale Besetzung für Händels Oratorium. Dies merkte man ein wenig an der zentralen Stelle über Tod und Auferweckung Jesu. Dennoch überzeugte er in seinen Rezitativen durch großes Engagement und den Text ausdeutende Gestaltung. Ein Höhepunkt war seine Arie "Ev'ry Valley", in der er sehr bewegliche Koloraturen bot.
Kongenial für seine Partie war der Altus Jürgen Banholzer mit seiner ätherisch-schwebenden Stimme. Er und die Sopranistin hatten nebenbei bemerkt eine sehr gute englische Aussprache. Viel Atmosphäre erzeugte Banholzer in seinen beiden lyrischen "Weihnachtsarien" "0 thou, that tellest good tidings to Zion" und "He shall feed his flock". In der ersten demonstrierte er vollendete barocke Verzierungskunst, die zweite sang er im Wechsel mit der Sopranistin mit viel emotionaler Wärme. Von berückender Expressivität war auch seine "Leidensarie" "He was despised".
Eine großartige Leistung bot die Sopranistin Angelika Reinhard. Sie hat eine sehr vielseitige und natürliche Stimme mit großem Differenzierungsvermögen. Entsprechend nuancenreich und musikalisch einfühlsam waren ihre Rezitative. In den Arien bestach sie mit einer großen Bandbreite an Gestaltungsmitteln. "Rejoice" aus dem "Weihnachtsteil" sang sie ausdrucksstark und begeisterte durch die Leichtigkeit ihrer Koloraturen. Einen ergreifenden Affekt vermittelte sie mit "How beautiful ..." aus dem Osterteil, wo ihr fließender Gestus und das Aufblühen-Lassen des Klanges beeindruckten. Letzteres war auch ein zentrales Moment in der einleitenden Arie des 3. Teils "I know that my Redeemer liveth". Angelika Reinhard bot eine vollendete Interpretation dieser gefeierten Händel-Arie.
Als ausgezeichnet aufeinander eingespieltes Ensemble präsentierte sich die "capella cygnea". Sie zeichnete sich durch Flexibilität, hohes Reaktionsvermögen sowie sehr musikalisches Spiel aus. In der "Pifa" beeindruckten die Musikerinnen und Musiker durch ausgezeichnete Phrasierung und reliefartig gestaltete barocke Figurationen. Die hohe Präzision im Zusammenspiel war unter anderem an lupenreinen Unisoni zu erkennen, wie etwa im Schlusschor.
Rhythmische Exaktheit und gute klangliche Balance der Stimmen untereinander zeichneten die Darbietungen des Chores aus. Großen Eifer in punkto Aussprache und Deklamation legten vor allem die Männerstimmen an den Tag; die Frauen waren da etwas zurückhaltender. Mit behänder Leichtigkeit gestaltete der Chor die kolorierte Anfangsfigur des Satzes "His yoke ist easy", der den 1. Teil beschließt. Sehr gelungen war danach die Umstellung auf den schmerzhaft-klagenden Ausdruck, der dem Einleitungschor des 2. Teils eigen ist. Frohlockend und prunkvoll wirkten die Chöre, die textlich die Auferstehung Christi umreißen, allen voran das berühmte "Halleluja", in dem die nur knapp 40 Sängerinnen und Sänger erstaunlich viel Kraft entfalteten. Sehr breit und klangvoll wurde der Schlusschor zelebriert und mit der Amen-Fuge ein grandioser Oratorienschluss erzeugt. Nicht enden wollender Beifall und Standing Ovations für eine große Leistung. Was nach dem Messias als Zugabe kommt, versteht sich von selbst: "Halleluja". (kol)

 

Gießener Anzeiger vom 28. November 2000

Prunkstück der Oratorienkunst in prägnanter Darbietung
Jugendchor Schwanheim/Goldstein führte Händels "Messias" in der Bonifatiuskirche auf

Von Susanna Lulé

GIESSEN. Eine erfrischend kurzweilige, gleichwohl tiefgründige Lesart von Georg Friedrich Händels großartigem Oratorium "Der Messias" boten am frühen Sonntagabend Stefan Dörr und der Jugendchor Schwanheim/Goldstein in der Bonifatiuskirche dem Gießener Publikum.

Gemeinsam mit den Solisten Angelika Reinhard (Sopran), Jürgen Banholzer (Altus), Gerhard Brückel (Tenor) und Christoph Kögel (Bass) sowie der "capella cygnea" nahmen sie sich des gerade im vorweihnachtlichen Konzertbetrieb äußerst beliebten Prunkstücks barocker Oratorienkunst an und gaben dem anspruchsvollen Werk eine prägnante Gestalt.
Angesichts der Vielschichtigkeit des "Messias" und seiner überreichen Traditionsgeschichte galt es, gezielt und kenntnisreich auszuwählen, was man denn darstellen möchte. Eine den persönlichen Ausdruck zurücknehmende musikalische Predigt? Den großartigen Bombast eines sich selbst vergewissernden Bürgertums? Stefan Dörr hatte sich für eine am Originalklang orientierte Herangehensweise entschieden, um den Vorgaben der Komposition besser gerecht werden zu können, ohne aber die historische Aufführungspraxis als eitlen Selbstzweck zu betreiben.
Es wurde in der Originalsprache Englisch gesungen, das hervorragend eingespielte Orchester benutzte historische Instrumente und Spieltechniken, der Chor war mit etwa 35 Personen verhältnismäßig klein und die Altpartie mit einem Altus besetzt. Eine sorgfältige Auswahl der technischen Mittel und des hervorragenden Solisten-Ensembles, die gewissenhafte Einstudierung der Chorpartien, der beherzte und souveräne Zugriff des Chorleiters Dörr, das alles fügte sich zu einem mitreißenden Gesamteindruck.
Dabei stand der dramatische Gehalt und der musikalische Unterhaltungswert im Vordergrund, ohne im geringsten die vom Libretto intendierte Aussage, die biblische Botschaft, zu vernachlässigen.
Der Chor erwies sich als ein routinierter, elastischer Klangkörper von großem Gestaltungswillen, der seinem Dirigenten willig folgte und zu feinsten Nuancen, zu zartem Piano ebenso wie kraftvoller Dynamik fähig war. Wunderbar gestaltet war dann auch das berühmte "Halleluja", der Prüfstein der Chorkunst, auf den das Publikum in jeder "Messias"-Aufführung begierig wartet. Hier gab es denn auch einen Zwischenapplaus, den einzigen während des Konzertes am Sonntag.
So verdient er an dieser Stelle war, so verdient wäre er aber auch an etlichen anderen Stellen gewesen, etwa nach der Altus-Arie "He was despised" zu Beginn des zweiten Teiles. Schon wegen dieser einen Arie in der Interpretation von Jürgen Banholzer hätte sich der Besuch gelohnt. Banholzer verfügt über eine unglaublich reine Stimme, eine weiche Aussprache und beste Kenntnisse in historischer Aufführungspraxis, was sich etwa in den wirkungssicheren Verzierungen zeigte. Er interpretierte die berühmte Arie in einer anrührenden Schlichtheit, die den Atem anhalten und die Welt in diesem Moment zu purer Musik werden ließ. Überhaupt trugen die Solisten das ihre zu dem hervorragenden Gesamteindruck bei. Tenor Gerhard Brückel, der sich - wie auch Sopran und Bass, - neben der Oratorien-Interpretation auch mit Opernpartien einen Namen gemacht hat, verlieh seiner Partie eine sonore Leichtigkeit, die die häufig zu hörende tenorale Oratorienschärfe vermied. Sopranistin Angelika Reinhard wusste ihre klangschöne sichere Stimme besonders für die dramatischen Effekte zu nutzen, und Christoph Kögel sorgte mit seinem wendigen Bass für das rechte Fundament in der Tiefe.
Mit der Wiederholung des "Hallelujah" als unvermeidliche Zugabe ging das dreistündige Konzert zu Ende, das keine Minute zu lang war und dessen Nachhall einen weit in die kalte Nacht hinein begleitete.

Der Gießener Anzeiger hatte sogar noch Platz für ein Bild von uns:

 

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