Chormeile
2003
Zum
Abendlied nach Amerika -
Amerikanische Chormusik und
deutsche Nachtgesänge
aus dem 20. Jahrhundert
Unser Konzert
im Rahmen der Frankfurter Chormeile findet statt am
Sonntag,
dem 31.08.2003 um 18.00 Uhr
in der Katholischen
Pfarrkirche St. Leonhard,
Alte Mainzer Gasse 8 (unweit des "Eisernen Steges"
auf der nördlichen Mainseite).
Unser Programm
steht in diesem Jahr unter dem Motto
Zum Abendlied
nach Amerika - Amerikanische Chormusik und deutsche Nachtgesänge
aus dem 20. Jahrhundert
Den Schwerpunkt
bilden Motetten amerikanischer Komponisten des 20. Jahrhunderts,
allesamt "moderne", aber keine "avantgardistischen"
Werke, also durchaus Musik "zum Zuhören". Diese
werden kontrastiert von drei Abend- bzw. Nachtliedern deutscher
Komponisten.
Nachfolgend
das Programm im Einzelnen:
- COPLAND,
Aaron: Thou, O Jehova, abideth forever (from Four Motets;
komponiert 1921)
- LUDWIG,
Max: Nun ist der Tag geschieden
(entstanden in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts)
- COPLAND,
Aaron: Help us, o Lord (from Four Motets; komponiert 1921)
- RHEINBERGER,
Joseph: Bleib' bei uns - "Abendlied"
aus "Drei geistliche Gesänge" op. 69, Nr. 3 (komponiert
1855)
- THOMPSON,
Randall: Alleluia (komponiert 1940)
- REGER,
Max: Die Nacht ist kommen - "Nachtlied"
aus "Acht geistliche Gesänge" op. 138, Nr. 3
(komponiert 1914)
- SWINGLE,
Ward (Arr.): Saints Fugue (entstanden 1986[?])
Aaron Copland
lebte von 1900 bis 1990 fast durchgehend in Amerika - ein
durch und durch amerikanischer Komponist, dessen Benühen
es war, eine "typisch" amerikanische, auch breiten Hörerschichten
verständliche Musik zu schreiben.
Seine im Herbst 1921 entstandenen "Four Motets" sind
Frühwerke aus der Studienzeit bei Nadia Boulanger in Paris.
Sie wurden erst im Jahre 1979 erstmals veröffentlicht. Beim
Text ließ sich Copland offenbar von diversen Psalmtexten
inspirieren, ohne dass er auf eine bestimmte Textquelle festgelegt
werden könnte.
Max Ludwig
wurde 1882 in Glauchau geboren und starb 1945 in Leipzig.
Er war Professor in Leipzig und ein zu seiner Zeit sehr bekannter
Kirchenmusiker und Komponist. Heute kennt ihn fast niemand mehr
und er ist ein weiteres Mitglied in der großen Schar der
"zu Unrecht vergessenen Komponisten". Was nichts daran
ändert, dass seine (leider nur wenigen heutzutage noch gedruckten)
Kompositionen eine beachtenswerte Farbigkeit zeigen und von großem
Ausdruckvermögen zeugen.
Als Max
Reger - erst 43 Jahre alt - am 11. Mai 1916 in Leipzig starb,
lag auf dem Schreibtisch seines Sterbezimmers das Korrekturexemplar
seines opus 138. Aufgeschlagen war der erste Chor "Der Mensch
lebt und bestehet nur eine kleine Zeit". Auch im dritten
Stück, dem "Nachtlied", findet sich die für
Reger so typische Affinität zu den Themen "Tod"
und "Ewigkeit", denn der Text von Petrus Herbert aus
dem 16. Jahrhundert zieht eine eindeutige Parallele zwischen Schlaf
und Tod - der Tod ist "des Schlafes Bruder".
Joseph
Gabriel Rheinbergers (geb. 1839 in Vaduz/Liechtenstein, gest.
1901 in München) wohl berühmteste Motette ist das "Abendlied"
über den oft zitierten Satz der beiden Emmaus-Jünger,
die, unterwegs nach Emmaus, Jesus nach seiner Auferstehung begegnen:
"Herr, bleib' bei uns, denn es will Abend werden, und der
Tag hat sich geneigt". Entstanden ist eine klangvolles, sich
ganz dem Text verpflichtendes Chorwerk, dass auch innerhalb des
Rheinbergerschen Gesamtwerkes eine Spitzenstellung einnehmen darf.
Ward Swingle
wurde 1927 in Mobile, Alabama geboren. Zusammen mit 7 Jazz-Sängern
gründete er vor fast 40 Jahren in Paris die "Swingle
Singers" als chorische Alternative zu den instrumentalen
Jazz-Combos. Eines Tages entschloss er sich, den ersten Band aus
J.S. Bachs Wohltemperiertem Klavier mit in die Probe
zu bringen, um es notengetreu, nur auf Silben gesungen, aufzuführen.
Das Ergebnis war eine sensationelle Interpretation der barocken
Musik, ohne eine einzige Note des Originals zu verändern!
Seine "Saints Fugue", basierend auf dem bekannten Traditional
"When the Saints go marching in", verbindet in einzigartiger
Weise Stilelemente der Barockmusik (die "klassiche"
Fuge) mit dem Scat-Gesang (dem Singen ohne Text, nur auf Tonsilben).
Randall
Thompson (1899-1984) ist hierzulande weitgehend unbekannt.
In den USA jedoch ist sein "Alleluia" ein echter "Renner",
ungefähr so bekannt wie bei uns das "Ave Verum"
- wenn auch ungleich schwerer... Es ist ein introvertiertes, nachdenkliches
Werk, nicht so pompös wie das Händelsche "Halleluja"
aus dem "Messias" oder so vital wie der letzte Satz
aus J.S. Bachs Mottete "Lobet den Herrn alle Heiden".
Zu dieser Verklärtheit passen der geradezu zaghafte Beginn
und das demütige, in tiefster Lage vorgetragene "Amen"
am Schluss der Komposition sowie die Beschränkung der textlichen
Mittel: Nach den unzähligen "Alleluias" folgt ein
einziges, letztes "Amen".
|